Mann steht in der Abendsonne im Wasser

Geboren, um zu leben

Die Band „Unheilig“ hat ein Lied geschrieben, das ich auf Beerdigungen oft als Wunschlied erhalten habe. Es heißt: „Geboren, um zu leben“. Im Refrain heißt es dort: „Wir waren geboren um zu leben, für den einen Augenblick, bei dem jeder von uns spürte, wie wertvoll Leben ist.“

Wenn ich eine Umfrage machen würde und Menschen die Frage stellte, was sie glauben, wozu sie geboren worden wären, würde ich mit Sicherheit sehr differenzierte Antworten bekommen:  „Keine Ahnung“, über „um Nachwuchs zu bekommen“, bis hin zu „um glücklich zu sein!“

Ich finde die Antwort „um zu leben“ großartig! Hier auf der Erde sind wir, um zu leben, um zu sehen, dass das Leben lebenswert ist, schön, wertvoll. Wir leben – und das ist meine These, – weil Gott möchte, dass wir unser Leben genießen können.

Wie kann man sein Leben genießen

Aber genau hier wird es schwierig. Denn, wie kann man  sein Leben genießen, wo das Leben gestrickt ist mit dunklen Zeiten, Trauer und Leid? Wo es Phasen gibt, in denen man denkt, alles um einen herum wäre dunkel, wenn nur ein paar Hundert Kilometer ein Land überfallen wird? Und Menschen in diesem sinnlosen und schrecklichen Krieg umkommen – und nicht nur dort, sondern weltweit?

Wir Menschen versuchen sehr viel, unser Leben mit Dingen zu füllen, die uns Spaß machen, die uns unser Leben genießen lassen. Wenn ich Zeit und das nötige Geld habe, dann kann ein Urlaub wundervoll sein oder der Besuch im Theater. 

Aber diese Dinge halten nicht lange an. Also ist es manchmal die Karriere, das Haus, der Einfluss, Macht oder Reichtum. Aber wenn die Garant dafür wären, dass mein Leben ein glückliches wird, warum gibt es dann so viele reiche, einflussreiche, mächtige Menschen mit vielen Häusern, die absolut unglücklich sind?

Lebensglück

Ich denke, dass es ein „Lebensglück“ gibt, das jenseits von den Kategorien arm oder reich, einflussreich oder unbedeutend, ja sogar gesund oder krank liegen. Wenn ich Dinge tue, die mich zutiefst erfüllen – und meistens sehr wenig mit Geld oder Macht zu tun haben – dann erfüllt das meine Seele, mein Herz, ja mein Leben.

Die Bibel weist auf einen Aspekt hin, der wohl als Antwort fast nie kommen würde, wenn man danach fragt, was das Leben reich macht, nämlich, anderen zu dienen. Im Brief an die Philipper heißt es: „Geht so miteinander um, wie Christus es euch vorgelebt hat. Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb“ (Philipper 2, 5-8 NLB).

Menschen zu dienen

Jesus hatte alle Macht, allen Reichtum, allen Einfluss – und gab all das ab, um Mensch zu werden und uns Menschen zu dienen. Kurz vor seinem Tod, beim letzten Abendmahl, legt er sein Obergewand ab, bindet sich eine Schürze um, kniet nieder und wäscht seinen Freunden die Füße.

Er war ganz oben und machte sich ganz klein. Jesus wusste, dass dort „oben“ das Glück nicht unbedingt zu finden ist, wohl aber, indem wir anderen Menschen dienen. Warum? Weil wir Menschen so erschaffen wurden, weil das in unseren Genen liegt. 

Leider steht der Punkt „dienen“ meist nicht gerade weit oben auf unserer Prioritätenliste. Aber vielleicht liegt es genau daran, dass wir immer das Gefühl haben, wir müssten noch ein bisschen mehr Ausschau halten nach dem Glück und noch ein bisschen verrücktere Dinge tun. 

Im Urtext heißt der erste Satz übrigens: „Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war …“ Vielleicht sollten wir das einmal ausprobieren. 

„Es ist wichtig zu verstehen, dass unser Vater nicht will, dass wir gedemütigt werden oder ein schlechtes Selbstbild haben. Er möchte, dass wir uns selbst hoch ansehen – weil wir seine Schöpfung sind. Doch gleichzeitig möchte er, dass wir demütig sind, indem wir uns ihm und anderen hingeben“ (James Robinson).

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de