Eltern

Dietrich Bonhoeffer

„Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. […] Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe […] Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?“ Dies sind berühmte Worte, die Dietrich Bonhoeffer kurz vor seinem Tod in der Gefangenschaft geschrieben hat. Die Frage ist existenziell. Wer bin ich? Und Bonhoeffer beendet sein Gedicht mit: „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Du bist gewollt!

Wir können also vom Anfang und vom Ende her schauen, wer wir sind. Wir können uns anschauen, wie Gott uns sieht, was er von uns denkt, wie er sich uns gedacht hat. Und da fällt als Erstes auf: Du bist gewollt!

Es mag sein, dass Menschen dich ablehnen, es mag sein, dass sogar deine Eltern dir signalisiert haben, dass sie dich eigentlich nicht haben wollten. Das ändert nichts daran, dass du kein Zufallsprodukt der Natur bist.

Es ist ein Wunder, wenn eine menschliche Eizelle befruchtet wird. Familien, die darum kämpfen, dass dies geschieht, können ein Lied davon singen. Leben ist ein Wunder. Und dass du entstanden bist, genau du, dass diese Eizelle und diese Samenzelle zusammenkamen und du daraus wurdest, dass Leben entstand, Leben im Bauch deiner Mutter wuchs und du dann auf die Welt kamst, ist ein Fingerzeig Gottes.

Gott wollte dich auf dieser Erde haben. Und Gott will dich immer noch. David hat das erkannt und in einem seiner Lieder in Worte gefasst. Er schreibt: „Du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast!“ (Psalm 139, 13-14a HfA).

Unsicherheit

Ich habe mich lange als ungeliebtes Kind in dieser Welt gefühlt – und mich dementsprechend auch leider verhalten. Ich möchte gar nicht wissen, wie vielen Menschen ich damals auf die Nerven gegangen bin. Mein Charakter war geprägt von meiner Unsicherheit und hat sich meist in falschem, übertriebenem Selbstbewusstsein widergespiegelt.

Ich dachte, ich müsse mir Anerkennung verdienen, wäre jemand, wenn ich etwas vorzuweisen hätte. Eine tolle Freundin an meiner Seite würde ja beweisen, dass ich gewollt bin – nur, dass genau das die Mädchen absolut nicht cool fanden.

Wenn du herausfindest, dass du gewollt bist, kein Unfall, kein Zufall, wenn du erkennst, dass du wertvoll bist, genau, weil Gott dich wollte, dann bekommst du ein ganz anderes Standing in dieser Welt. Du kannst ein gesundes, natürliches Selbstbewusstsein entwickeln, denn du hast Masken und Schauspieler nicht nötig.

Einmalig

Ich weiß nicht, was du über dich selbst denkst oder wie es dir bei diesen Worten geht. Aber auch du bist gewollt, absolut. Du bist wertvoll, niemand kann deinen Platz in dieser Welt ersetzen, weil du einmalig bist. Und Gott hat sich absolut etwas dabei gedacht, dass es genau dich gibt.

Wenn du das nächste Mal in den Spiegel schaust, dann sprich es lauter aus: „Ich bin gewollt!“ Oder häng dir einen Zettel daran. Der erinnert dich daran, wenn du in den Spiegel schaust: „Du bist gewollt!“ Du wirst sehen, wie viele negative Gefühle verschwinden, wie die Wahrheit die Lüge vertreibt!

Sei gesegnet!

„Wenn Gott mich anders gewollt hätte, hätte er mich anders gemacht“ (Johann Wolfgang von Goethe).

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de

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