Maria, Josef Holzfigur

Die Hirten

Die Bibel berichtet erstaunlich nüchtern über das, was nach dem Erscheinen der himmlischen Boten auf der Erde geschieht. Man könnte denken, es würde eine ebenso große Hektik entstehen, wie bei uns in den Adventstagen. Man könnte denken, die Stimmung wäre ebenso aufgeheizt. Nichts davon geschieht. „Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen“ (Lukas 2, 15-16 LUT).

So wird es Jahr für Jahr in den Gottesdiensten in unserem Land in der ebenso nüchternen Sprache der Lutherbibel verlesen. Dennoch sind die Worte brisant, dennoch rütteln sie wach, wenn man sich auf sie einlässt.

Lasst uns gehen und sehen

Hirten waren Menschen, die ganz unten auf der sozialen Leiter der Gesellschaft standen. Kaum jemand wollte mit ihnen zu tun haben. Und das nicht nur, weil sie streng rochen. Und nicht nur das, die Schafe, auf die die Hirten aufpassten, waren dementsprechend in den seltensten Fällen Eigentum der Hirten.

Deswegen ist das, was hier auf den Feldern vor dem kleinen Ort Bethlehem geschah, wirklich erstaunlich. Lasst uns gehen und sehen bedeutet demnach nämlich nicht nur, dass sich die Hirten aus ihrem Alltag herausreißen ließen, es bedeutet, dass sie ihren Job riskierten, eine Vertragsstrafe, ja, dass sie sogar riskierten, dass der Herde etwas zustoßen könnte und sie dafür haftbar gemacht werden hätten können, weil sie einfach von Dannen gezogen sind.

Lässt du dich aus dem Alltag reißen?

Diese Menschen, so nüchtern sie auch beschrieben werden, riskieren so viel – und sie machen sich auf den Weg. Nicht nur das, sie eilen zum Stall. Sie lassen alles stehen und liegen und rennen, um zu schauen.

Lässt du dich von Gott eigentlich aus dem Alltag reißen? Was müsste er tun, damit du alles stehen und liegen lässt und hinrennst, um nachzuschauen? Die offizielle Statistik der Evangelischen Kirche besagt, dass im Jahr 2021 an einem durchschnittlichen Sonntag etwas mehr als 1 % der Kirchenmitglieder zum Gottesdienst gegangen sind, an Erntedank 4 % und an Weihnachten 12 %.

Und bevor ich die Nase rümpfe, fasse ich mir an selbige und muss mich fragen lassen: Wie ist das mit meiner stillen Zeit für Gott? Wie ist das mit meinem Beten? Wie oft lese ich im Alltag meine Bibel oder wie viel Zeit verbringe ich damit, nicht zu erwarten, dass Gott etwas für mich tut, sondern investiere selber Zeit (und Geld?) für ihn?

Lass dich auf den Gedanken ein!

Die Hirten hörten, sprachen kurz darüber und rannten dann los, um mit eigenen Augen zu sehen. Wir hören und erwarten, dass Segen zu uns kommt. Fühl dich bitte nicht angegriffen, sondern lasse dich einmal auf den Gedanken ein.

Die Hirten haben alles stehen und liegen gelassen und hatten die Erwartung, etwas zu sehen, Gott zu erleben, wenn sie losziehen würden. Uns fällt das heute so schwer, weil wir so viel im Alltag zu tun haben, weil wir dann müde sind, weil wir einfach mal eine Auszeit brauchen (oder, weil wir träge sind).

Wie können wir erwarten, dass Gott uns beschenkt, dass er uns segnet, dass wir sehen können, wenn wir nicht bereit sind,  selbst zu gehen und zu schauen? Sehen wir Gott nicht manchmal, wie eine Krankenschwester? Wir klingeln an der Notklingel und gehen davon aus, dass schnell etwas passiert.

Schnell muss sich dann meine Situation verbessern, schnell muss mir zugehört werden in meinem Klagen, schnell muss reagiert werden.

Herz entzünden

Mein Gebet ist es, dass Gott mir schenkt, dass ich mich ebenso begeistern lasse, wie die Hirten. Ich muss dazu nicht unbedingt überschwänglich werden, aber wäre es nicht großartig, wenn in dieser Adventszeit unser Herz ebenso entzündet wird und wir uns denken: „Lasst uns nun gehen sehen“?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott uns heute auch noch schauen lassen will, dass er uns beschenken will. Aber dazu müssen wir unseren Allerwertesten hochbekommen und aktiv werden.

Sei gesegnet!

„Lasst uns nicht auf unseren Glauben, nicht auf die Stürme um uns herum sehen, sondern auf Jesus, dann können wir auf den Wellen gehen“ (Corrie ten Boom).

 

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Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de