Gestern haben wir uns eines der „solas“ angeschaut, die Martin Luther als Grundfesten des Glaubens einst aufgestellt hat: „sola gratia“ – allein aus Gnade. Paulus schreibt: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet – durch den Glauben. Das verdankt ihr nicht eurer eigenen Kraft, sondern es ist Gottes Geschenk“ (Epheser 2,8 BB) und greift damit das zweite „sola“ auf: „sola fide“ – allein aus Glauben.
Kennst du das Spiel, das kleine Kinder oft spielen? Sie halten sich die Augen zu und denken: Wenn ich dich nicht sehe, dann siehst du mich auch nicht. Natürlich wissen wir Erwachsenen, dass das nicht stimmt, dennoch spielen wir mit, weil wir es so niedlich finden.
Manchmal denke ich, dass Menschen dasselbe denken, wenn sie erwachsen sind. Ich wende Gott den Rücken zu, ich verabschiede mich vom Glauben, trete aus der Kirche aus, also existiert er nicht mehr. Der Unterschied ist, dass Gott das absolut nicht niedlich findet.
Denn er reicht uns die Hand, aber annehmen müssen wir sie allein. Er wirbt um unser Herz, aber hinhalten müssen wir es ihm. Jesus bietet uns ein erfülltes Leben an (Johannes 10,10), aber wir müssen ihm glauben und es annehmen.
Gott hört nicht auf, Gott zu sein, wenn wir Menschen ohne ihn leben, der Mensch hört auf, Mensch zu sein. Schau dir einmal an, was die Geschichte uns lehrt: Da, wo Gott nicht ist, da ist der Mensch nichts wert. Da herrscht das Recht des Stärkeren, wo der Schwache unterdrückt wird. Da nehmen sich die Starken, was sie bekommen können, und die Schwachen bleiben auf der Strecke.
Und sie werden misshandelt, vergewaltigt, gefoltert, umgebracht. Du musst dir nur einmal die aktuellen Kriege in der Welt anschauen, um zu wissen, dass das stimmt. Wo Gott ausgeklammert wird, gibt es keine Luft zum Atmen, denn dort herrschen Angst und Schrecken.
Jeder bastelt sich seine eigene Ethik zurecht und sucht sein Glück in Dingen, von denen er weiß, dass sie nicht glücklich machen, seien es nun Geld und Macht, Sex oder Drogen, der größere Kick oder die „Einheit“ mit dem Universum.
Und wiederum andere rackern sich ab, weil sie ihr schlechtes Gewissen spüren und denken, sie könnten es beruhigen, wenn sie viel Gutes tun. Die Wahrheit ist: Gott lebt und regiert die Welt, ganz gleich, ob ich mit ihm lebe oder nicht.
Die Wahrheit ist auch: Er reicht dir und mir die Hand und damit einen Anker, der hält, ganz gleich, was im Leben auch geschieht, der sogar hält, wenn du einst die Augen ein letztes Mal schließt. Die Bedingung aber ist, dass du das Angebot annimmst. Das ist Glaube.
Die Bedingung ist, dass du dich darauf einlässt, dass Gott mehr ist als ein intellektueller Fakt. Im Hebräerbrief heißt es dazu: „Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert“ (Hebräer 11,1 NLB).
Glaube heißt Vertrauen. Glaube heißt, darauf zu bauen. Glaube bedeutet, dass ich dem, auf den ich vertraue, mein Leben anvertraue. Dann ergreife ich seine Hand, die Gott mir entgegenstreckt. Ich muss nichts leisten, ich muss nichts tun, das Heil hängt an diesem Wort: „πιστις“ (pistis) – das bedeutet „Glaube“, „Vertrauen“, „Zuverlässigkeit“ oder „Treue“.
An Ostern hat Jesus alles getan. Er hat gezeigt, wie groß seine Liebe ist, er hat die Schuld auf sich genommen, und er hat den Sieg mit seiner Auferstehung vollbracht. Die Frage ist, wie wir darauf antworten. Glauben wir, indem wir auf ihn unser Leben bauen? Oder anders gefragt: Was müsste Gott in deinem Leben noch tun, damit du ihm wirklich vertraust?
Sei gesegnet!
„Glaube ist ein lebendiges, verwegens Vertrauen auf Gottes Gnade“ (Martin Luther).