Frau mit erhobenen Armen

Redearten

„Das ist doch Schnee von gestern!“ Hast du diesen Satz auch schon einmal gehört oder sogar selbst benutzt? Man nimmt an, dass die Formulierung im späten 19. Jahrhundert entstanden ist, und zwar in Anlehnung an den Refrain eines französischen Liedes des Renaissancedichters François Villon. In seiner „Ballade des dames du temps jadis“ wird immer wieder gefragt: „Aber wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?“

Heute nutzt man das Wort, um darauf hinzuweisen, dass bestimmte Dinge nicht mehr von Interesse, nicht mehr aktuell sind. Sie sind eben ein „alter Hut“ oder auch „kalter Kaffee“. Wenn wir das aussprechen, dann zeigen wir uns sehr großzügig. „Schwamm drüber“, lass uns neu anfangen, lass uns nicht mehr an die Vergangenheit denken.

Ein neuer Tag

Wie gut täte es uns, wenn wir mit uns selbst auch manchmal so großherzig wären, denn jeder Tag bietet uns die Gelegenheit, Altes abzuschließen und Neues zu beginnen. Jeder Tag bietet uns die Chance für einen Neustart. Die Sonne geht morgens auf, hat mittags ihren Höhepunkt und geht abends unter.

Es folgt die Nacht und dann ein neuer Tag, ein Neuanfang. Aber um diesen Neuanfang auch als neuen Anfang nutzen zu können, müssen wir uns entschließen, ihn als neuen Anfang auch zu nutzen. Wie oft schleppen wir den Ärger, den Frust, die Verletzungen der vergangenen Tage mit uns herum?

Wie oft denken wir am Samstag schon an den Montag, wo wir gar keine Lust haben, diesen oder jenen Menschen wiederzusehen, der uns geärgert hat? Oder wie sieht es mit eigenen Schuldgefühlen aus? Wie oft tragen wir sie in unserem Herzen mit herum, weil wir vor dreieinhalb Jahren einen Fehler gemacht haben?

Neuanfang

Gott ist anders. Er möchte uns einen Neuanfang schenken, jeden Tag. Warum? Weil er jeden Tag liebt, weil er jeden Tag (neu) gnädig ist, weil er nicht möchte, dass wir mit Ballast herumlaufen, der uns unser Leben schwermacht.

Die Bibel sagt: „Ja, seine Güte hört nicht auf. Sein Erbarmen hat noch lange kein Ende. Jeden Morgen erbarmt er sich von Neuem. Gott, deine Treue ist unfassbar groß“ (Klagelieder 3, 22-23 BB).

Was geschehen ist, ist geschehen

Wenn du dich schlecht fühlst, weil du etwas Falsches in der Vergangenheit getan hast oder weil dir etwas in der Vergangenheit geschehen ist, dann lass es in der Vergangenheit. Heute ist ein neuer Tag. Was geschehen ist, ist geschehen. Du kannst es nicht mehr rückgängig machen.

Aber du musst es ebenso wenig mit dir herumschleppen. Es ist „Schnee von gestern“, den du getrost bei Gott ablegen kannst, denn seine Güte hört niemals auf. Jeden Morgen, also auch heute, ist sein Erbarmen neu. Gott kann und Gott will sich um das kümmern, was geschehen ist.

Gib Gott Raum in deinem Leben

Wie viel leichter wäre unser Leben, wenn wir seine Güte in unserem Leben Raum geben würden, wenn wir uns nicht mehr selbst verurteilen würden und ohne Groll gegen irgendjemanden in den neuen Tag gehen könnten.

Unsere Aufgabe ist es, Fehler einzugestehen und sie zu Jesus ans Kreuz zu bringen, damit uns vergeben wird. Das klingt mega leicht, ist es aber oft nicht. Loslassen ist oft schwerer als festhalten. Das gilt auch für den zweiten Punkt, nämlich, dass wir nicht nur Gottes Vergebung empfangen sollen und somit frei werden, sondern, dass wir selbst auch vergeben und loslassen, dass wir selbst lernen, uns zu erbarmen, gütig zu sein.

Dankbarkeit

Ich bin dankbar, dass Gott uns jeden Morgen eine gehörige Portion Erbarmen in unser Leben schenkt. Wir können uns dafür entscheiden, jeden Tag einen neuen Anfang zu machen, uns selbst gegenüber, aber auch den Menschen gegenüber, mit denen wir in unserem Alltag zu tun haben.

Sei gesegnet!

„Ich muss jeden Morgen, wenn ich aufstehe, bereit sein zu dem Entschluss: Ich möchte gern, dass Gott heute einen Sieg in meinem Leben erringt“ (Helmut Thielicke).

Jürgen Ferrary für GottinBerlin

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