Warten

Gestern musste ich zur nahegelegenen Paketstation laufen, die direkt an einem Supermarkt gelegen ist. Vor dem Eingang des Supermarktes war eine lange Schlange. Geduldig, ängstlich warteten Menschen mit ihren Einkaufswagen in gebührendem Abstand zueinander, bis ein Wachmann vor der Tür einzeln die Griffe der Einkaufswagen abgewischt hatte und die Kunden einzeln in den Supermarkt bat, wann immer ein anderer Kunde das Geschäft verließ. Social Distancing… Die Stimmung wirkte sehr gedrückt, aber die Leute vor der Tür warteten geduldig.

Auf dem Weg nach Hause fiel mir dann extrem auf, was ich schon auf dem Hinweg beobachtet hatte: Wann immer mir jemand entgegen kam, wandte sich der Blick nach unten und man machte, bevor man aneinander vorbei ging, einen großen Bogen umeinander. Social Distancing – im Moment wichtig und aufgrund der weiter steigenden Ansteckzahlen durch das Virus auch richtig!

Es liegt was in der Luft

Was mich beunruhigt, ist die Angst, die ich überall in der Luft spüre. Ängste sind erst einmal nichts Schlechtes, denn sie schützen einen auch. Es gibt aber auch irrationale Ängste, die das tägliche Leben einschränken können. Wenn wir unsere Freunde in den USA besuchen, dann begegnen uns solche Ängste. Auf dem Spielplatz sind Eltern nicht mehr, als ein Armlänge von ihren Kindern entfernt. Kinder dürfen nicht allein auf die Straße (County einem County in Florida kommt mir Polizei, wenn ein Kind unter 11 Jahren ohne einen Erwachsenen auf der Straße zu sehen ist).

Helikopter-Eltern-mäßige Verhalten

Jeder scheint von einer nicht greifbaren Angst ergriffen zu sein. Überall und hinter jeder Ecke wird Böses vermutet. Wenn wir unsere Freunde darauf ansprechen, dann äußern sie die Angst, den Kindern könnte etwas passieren, sie könnten entführt oder umgebracht werden. Das Argument, bei uns in Deutschland würden nicht mehr Kinder verschwinden oder umgebracht, obwohl wir die Kinder nicht so „bewachen“, zählt nicht. Ebenso wenig die Nachfrage, ob die Kriminalitätsrate denn runter gegangen sei, seit man so obervorsichtig ist. (Alle unsere Freunde bestätigen uns, es hätte sich nichts verändert – also, was soll das Helikopter-Eltern-mäßige Verhalten dann?)

Vorbei ist der „amerikanische Traum“, den man immer noch in Filmen sieht, wo Kinder die Gegend auf ihren Fahrrädern erkunden, Zeitung austragen oder Abenteuer im nahegelegenen Wald erleben. Ängste werden auf die nächste Generation übertragen, in der sie dann anscheinend noch größer werden.

König David

König David schreibt im Psalm 142: „Wenn mein Geist in Ängsten ist, kennst du (Gott) doch meinen Pfad.“ Der Psalm ist überschrieben mit: „Ein Psalm Davids, als er in der Höhle war, ein Gebet“ – David lebte auch in einer Kontaktsperre, er konnte nicht aus seiner Höhle, weil König Saul ihn suchte, um ihn zu töten. Die Gefahr für David war groß, seine Angst ebenso. Aber David wusste: Gott ist größer, als alle Angst – Gott kümmert sich! David hat sich nicht von seinen Ängsten unterdrücken und regieren lassen. Sein Fokus war auf Gott gerichtet.

Sei mutig und entschlossen!

Ich habe mir vorgenommen, mich auch nicht von Ängsten bestimmen zu lassen. Wenn die Last in meiner Seele zu groß wird, dann erinnere ich mich an ein Wort, das Gott mal dem Josua gesagt hat:

Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst! (Josua 1,9)

Ich wünsche dir eine schöne Restwoche voller Geborgenheit und inneren Frieden!
Sei gesegnet!

https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de